Zur Geschichte von Timmel folgendes...

 

Timmel wird zum ersten Male unter der Bezeichnung "Timberlae" in einem Grundbuch vor etwa 1000 Jahren erwähnt. Timberlae bedeutet doppelt Holz/Baum. Nachweisbar ist ein Eichenwald von 7 ½ Hektar Fläche, der aber schließlich der Landwirtschaft weichen mußte. Bestimmender für den Ort sind aber seit alters her die Flußläufe, hier Tiefs genannt und die Binnenseen, Meere genannt. Das Fehntjer Tief ist der Hausfluß, vom Bootshafen aus kann es der Gast befahren und über die Ems das offene Meer erreichen. Von der Hohen Brücke aus schweift der Blick des Besuchers weit über die Meedenlandschaft, über das künstlich angelegte Timmeler Meer mit dem Badestrand und über das Boekzeteler Meer. Die Ufer des Fehntjer Tiefs sind am Randes des Naturschutzgebietes zurückgenommen und vernäßt worden. Dadurch wurde die Wasserfläche vergrößert und mehr Lebensraum für Vögel und Fische geschaffen.

Klostervorwerk und Ostkommune

Wenn der Besucher die Ulbarger Straße entlang geht, so kommt er an einer ganzen Reihe von Bauernhäusern vorbei, von denen eines noch mit Reith (Schilf) gedeckt ist.

Das alte Timmel endete einst nicht weit hinter der Dorflinde. Als im Mittelalter auch in Ostfriesland Klöster entstanden, kam es um 1200 in Timmel zur Gründung eines Klostervorwerkes. Es handelte sich nicht um ein volles Kloster, sondern um einen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem Laienbrüder für sich und ihr Stammkloster Ackerbau und Viehzucht betrieben. Der Landbesitz war mit 250 - 300 ha so groß wie ein ostelbisches Rittergut, war aber von Heide, Niederungs- und Hochmoor bedeckt und mußte nach und nach kultiviert werden. So sind die Laienbrüder des Klostervorwerkes zu Pionieren der Dorfentwicklung geworden.

Es ist nicht sicher, zu welchem Kloster das Timmeler Vorwerk gehörte, wahrscheinlich aber anfangs zum Zisterzienserkloster Ihlow, danach zum Kloster Klarekamp in den Niederlanden und zuletzt zu Thedinga bei Nüttermoor.

Nach 1530 gelangten im Zuge der Reformation die ostfriesischen Klöster und ihr Besitz in die Hand des ostfriesischen Grafenhauses. Die unter ständigen Geldschwierigkeiten leidenden Landesherren vererbpachteten das "Herrschaftliche Vorwerk" ab 1619 an Privatleute. Bald danach begann die Aufteilung des ganzen Landkomplexes, indem einzelne Ländereien vererbpachtet wurden. Die Pächter errichteten Platzgebäude an der heutigen Ulbarger Straße. Das verkleinerte Vorwerk wurde im Jahre 1714 an die Witwe Tatje Egberts und ihre Söhne Johann und Cobe vererbpachtet. Um 1830 erwarben die Nachkommen, die jetzt den Familiennamen Buß führen, das Vorwerk zum Eigentum. Dort ist die Familie noch heute ansässig.

Um 1750 wurden die Vorwerksländereien noch einmal durch Vererbpachtung an Interessenten verkleinert. Dadurch entstanden weitere Bauernhöfe am Timmeler Hauptweg. Das Dorf Timmel hatte sich also erheblich nach Osten ausgeweitet. Zur Unterscheidung vom alten (West)Timmel nannte man diese Dorferweiterung Ostkommune.

Das Gebäude des Klostervorwerkes stürzte 1903 infolge eines starken Novembersturmes ein. Das Aussehen des Gebäudes ist uns nach einer Handzeichnung von 1660 bekannt. Der Wohnteil war ein zweistöckiger Winkelbau mit großen Kellergewölben und angebauter niedriger Gulfscheune. Das Haus übertraf an Größe die anderen Timmeler Anwesen bei weitem und lag wie ein Herrenhaus abseits in seinen Ländereien. Das jetzige Platzgebäude wurde 1924 errichtet.

Zur Vorwerksanlage gehörten ursprünglich eine Kapelle und ein Klosterfriedhof, der ab 1923 eingeebnet wurde.

Die Sage vom Bau der Timmeler Kirche

Am Rande eines alten Meeres, heute als Dorfteich für den Erholungssuchenden ausgebaut, liegt die Timmeler Kirche von 1736 mit dem Glockenturm von 1850. Es ist der dritte Kirchenbau nach einer Holzkirche aus dem 12. und einer mittelalterlichen Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Der Untergrund am Randes eines Feuchtgebietes war wenig tragfähig und weist bis heute eine 90 cm starke Schicht Hochmoor auf. Durch Hand- und Spanndienste mußte eine Kirchwarf aufgefahren werden. Warum wurde ein so ungünstiger Platz ausgewählt? Wollte man die geringe Fläche des bebaubaren Landes schonen oder sollte eine heidnische Kultstätte durch den Bau einer christlichen Kirche überwunden werden?

Daß es damals Meinungsverschiedenheiten über den Ort gab, beweist folgende Sage: Weil die Timmeler sich nicht darüber einigen konnten, wo sie ihre Kirche bauen wollten, trafen sie sich an der Dorflinde und hielten einen Rat ab. Sie beschlossen, die Entscheidung durch ein Gottesurteil herbeizuführen. "Laßt uns zwei Ochsen zusammenbinden und jagt sie davon. Wo sie sich niederlassen, da wollen wir unsere Kirche bauen." Wes es ein heißer Sommertag war suchten die Tiere Kühlung und ließen sich am Randes des Meeres im Wasser nieder. An dieser Stelle wurde nun die Warf aufgefahren und die Kirche gebaut.

Das sagenumwobene Frauenmeer

Ein Gewässer von anderem Charakter ist das abgelegene Frauenmeer. Das Auge des Besuchers fällt auf eine kreisrunde Wasserfläche. Es liegt auf einem hohen Geestvorsprung und ist viel tiefer als die seichten und großflächigen Meere in den anmoorigen Niederlassungsgebieten mit hohem Grundwasserstand.

Von alters her war die Entstehung des Frauenmeeres ein Rätsel, so daß sich die Sage des kleinen Sees bemächtigt hat: An der Stelle, wo sich jetzt das Frauenmeer befindet, wohnten einst drei Schwestern, die ebenso reich wie hartherzig und geizig waren. Sie kümmerten sich nicht um die Not und das Elend ihrer Mitmenschen und ließen die Armen lieber Hungers sterben, als ihnen eine Gabe zu geben. Dafür traf sie die Strafe des Himmels. Eines Nachts versank das Haus mitsamt den drei Frauen. An dieser Stelle hatte sich ein tiefer Trichter gebildet, der sich alsbald mit Grundwasser füllte. Die Bewohner Timmels waren durch dieses Ereignis aufgeschreckt, eilten herbei und vergossen Tränen vor Angst und Schrecken. Daher heißt das Land in der Nähe des Meeres noch heute "Tranackers". Der entstandene See aber erhielt in Erinnerung an die drei Frauen die Bezeichnung Frauenmeer.

Heute ist man über die Entstehung folgender Meinung: Wie es noch heute am Rande der Arktis in Kanada und Sibirien vorkommt, trat in der letzten Eiszeit Wasser nach oben, fror hoch und nahm die Deckschichten bis zu einer Höhe von 50 Metern nach oben und bildete eine Frostbeule (Pingo). Nach dem Tauen wurden die Deckschichten am Rande ringförmig abgelagert.

Das fischreiche Boekzeteler Meer

Das bekannteste Timmeler Gewässer ist das Boekzeteler Meer. Es gehört zu den flachen Niederungsmoorseen, die sich bis zum Großen Meer hinziehen. Es ist so flach, daß es nur von Booten mit niedrigem Tiefgang befahren werden kann. Das Boekzeteler Meer liegt in einer Schmelzwasserrinne, in der auch das heutige Fehntjer Tief verläuft. Als es noch keine Entwässerung durch die Schöpfwerke gab, war auf weiten Flächen dort der Boden auch im Sommer sumpfig und der Wasserstand hoch. Heute ist es unter Naturschutz gestellt.

Den Fischreichtum bezeugt die Sage vom Fischkönig im Boekzeteler Meer: Vor Zeiten, als das Boekzeteler Meer noch tief war, gab es darin viele Fische. Die Leute, die rings um das Meer wohnten, fingen Aal und Hecht, aber sie hielten auch Maß, so daß die Tiere sich vermehren konnten, und deshalb hatten sie allzeit genug Fang. Aber es gab einige unter den Fischern, die waren nicht zufrieden und wollten immer noch mehr haben. Da kamen sie auf den Gedanken, das ganze Meer leer zu fischen. Die anderen wollten davon zuerst nichts wissen. Da sprachen sie untereinander, wie Wilhelmine in ihrer plattdeutschen Form dieser Sage erzählte: "Dann gah wi allennig an’t Wark" ("Dann machen wir das allein"). Das taten sie auch; sie hatten Glück und fingen viel Fisch. Das konnten die anderen nicht mit ansehen, sie machten ihre Boote auch klar und fingen an zu fischen Und sie fingen so viel Fisch, daß alle ihre Boote voll waren. Nun wollten die meisten aufhören, aber ein paar riefen: "Is dat de Fiß all?". Da klang es aus dem Wasser: "Das ist er bis auf einen, aber ihr kriegt keinen". Sie hörten nicht darauf und fischten weiter. Als sie ihr Netz hochzogen, da war das so schwer, als wenn sie einen guten Fang gemacht hätten. Aber da war nur ein Hecht im Netz; der war so übermäßig groß, wie ein Kälberauge, und das starrte sie an. Da sagte einer: "Dat ist de Eenoog-Hauer". Und alle wußten, daß das der Fischkönig war.

Nun kamen auch die anderen Fischer angefahren und wollten ihn mit hochziehen. Und sie zogen aus Leibeskräften, aber das Netz war so schwer, daß die Bootsenden untertauchten und alle Fische, die sie gefangen hatten, wieder ins Wasser glitten. Sie fielen sogar selbst hinein, so daß sie das Netz loslassen mußten. Da sprang auch der Fischkönig wieder in die Tiefe. Die Männer retteten sich mit knapper Not an Land, und sie brachten keinen Fischschwanz mit nach Haus.

Theodor Aden verdanken wir aus dem Jahre 1932 folgende Schilderung: Am schönsten ist es hier im Frühling, wenn die Meeden sich mit dem saftigen Grün des jungen Grases geschmückt haben und die zahlreichen Wiesenblumen ihre Bluten leuchten lassen. Vor allem ist es die Sumpfdotter-Blume, die dann durch Zahl und Leuchtkraft der Blüten vorherrscht und ganze Flächen in Gelb schimmern läßt. Da klingt es von allen Seiten: "Greta, Greta, Greta" und Vögel mit langen, äußerst dünnen Beinen streichen durch die Luft. Dazwischen tönt das Meckern der Bekassine, und "Kiewit! Kiewit"" rufen die munteren Kiebitze. Mit rauschendem Flügelschlag ziehen aufgescheuchte Wildenten durch die Luft, fallen klatschend wieder ins Wasser ein und verschwinden im schützenden Röhricht. Dann taucht ein Reiher auf, und ein Storch zieht seine Kreise am Himmel, bis er sich auf einer Wiese niederläßt und nun gravitätisch auf und ab spaziert. Auf dem Westufer des Sees, immer an derselben Stelle, führen die anderswo selten gewordenen Kampfhähne ihr munteres Spiel auf, indem sie mit gesträubten Federn immer und immer wieder gegeneinander rennen, ohne sich dabei zu verletzen. Aus dem Wasser ertönt dazu ab und an ein dumpfes Klatschen, wenn die schweren Hechte nach ihrer Beute schnappen. Über den See aber treibt ein weißes Segel unter dem Druck des leichten Windes einen kleinen Kahn, von dem aus ein Junge den Raubfischen nachstellt.

Schön ist es auf dem Meere auch im Herbst, wenn der Sturm das Wasser aufwühlt und die Wellen eine weiße Schaumkuppe tragen. Wenn dann die Sonne untergegangen ist und man fern von Menschen mit der Natur allein ist, kommt eine eigene Stimmung auf. Am Himmel jagen Böen, und bald prasselt ein Regenschauer hernieder. Dann vertreibt der Wind die Wolken wieder, und die schmale Mondsichel läßt ein blasses Licht auf das Wasser fallen. Das Boot schaukelt, und nur die glitzernden Schaumköpfe der Wellen heben sich von der dunklen Wasserfläche ab. Kein Laut außer dem Gluckern der Wellen und dem Rascheln des Windes im Röhricht. Nur dann und wann ein Schrei aus der Höhe von großen Vögeln, die auf nächtlichen Wanderungen neue Nahrungsgebiete suchen. Dann plötzlich ein sonderbares Sausen und Plätschern: und aus dem Dunkel der Nach tauchen die Umrisse eines Binnenschiffes auf, das unter dem Druck eines großen Segels das Wasser durchfurcht und schnell wieder entschwindet. Dann wird alles wieder still, der Wind sammelt neue Kräfte, und nur das verstohlene Rauschen der Binse klingt herüber.

Die alte Dorfschule

Wenn der Urlauber am Abend vor dem Maifeiertag Timmel besucht, kann er erleben, wie auf dem Dorfplatz vor der Alten Dorfschule von den Vereinen der Maibaum aufgerichtet wird.

Seit 1679 gab es Lehrer in Timmel, das erste Schulgebäude wurde 1739/40 gebaut. Im Jahre 1891 wurde eine neue zweiklassige Volksschule gebaut, in der bis 1976 Grundschulunterricht erteilt wurde. Auf Grund örtlicher Initiativen wurde das leerstehende Schulgebäude 1991 um- und ausgebaut. Heute sind darin der Kindergarten, die Wandergruppe und die evangelische Gemeindebücherei untergebracht. Die Ortsfeuerwehr erhielt einen eigens angebauten Seitenflügel, in dem die Wagenhalle und der Übungsraum Platz gefunden haben. Der alte Schulhof ist Dorfplatz geworden und bietet Platz für die Durchführung örtlicher Feste und Veranstaltungen.

Historische Bäume im Ortskern

Wenn Timmel auch keinen großen Wald mehr besitzt, so ist es doch ein Dorf mit reichem Baumbestand. Vier Bäume sind es besonders wert, vom Urlauber beachtet zu werden. Sie stehen im Ortskern nicht weit auseinander. Die Dorflinde steht auf einem steinbedeckten Erdhaufen an einer Kreuzung. Unter ihr versammelte sich in früheren Jahrhunderten, als es noch keine Versammlungsräume gab, die Dorfgemeinschaft, um Rat zu halten und Beschlüsse zu fassen. Sie ist also ein Symbol für dörfliche Selbstbestimmung. Die jetzige Linde ist noch nicht als und muß Vorgänger gehabt haben.

Nicht weit davon, an einer Wegkreuzung zur Kirche erhebt sich die von einem eisernen Zaun eingefaßte Bismarckeiche. Sie kam als Geschenk des Reichskanzlers Otto von Bismarck aus dem Sachsenwalde und wurde 1897 zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. in Timmel gepflanzt. Dem Zeitgeist entsprechend sollte sie damals für die Macht und Stärke Deutschland Zeugnis ablegen. Die Friedensbirke steht in der Nähe der Alten Dorfschule. Sie wurde zum 40jährigen Kriegsende 1985 gepflanzt. Damals stand die Bewahrung des Friedens angesichts des Ost-West-Gegensatzes im Vordergrund. Am Rande des Dorfplatzes an der Ortsdurchfahrt steht der Baum der Deutschen Einheit. Er wurde 1990 vom Ortsbürgermeister aus einem Dorfe der damaligen DDR in Sachsenanhalt mitgebracht. Er zeugt davon, daß sich Mauer und Zonengrenze geöffnet hatten, die Wiedervereinigung ermöglicht wurde und der Wunsch nach Frieden mit dem Osten sich erfüllt hatte.

Tatjebrücke und Franzosenstein

Etwas außerhalb des Dorfes am Timmeler Hauptweg gelangt der Wanderer an einen markanten Punkt, die Tatjebrücke und den Franzosenstein. Die Tatjebrücke hängt eng mit der Entstehung von Spetzerfehn zusammen. Im Jahre 1736 bauten die Timmeler einen Kanal vom Boekzeteler Meer bis Ulbargen aus. Der Kanal ermöglichte ab 1746 die Entstehung der Moorsiedlung Spetzerfehn, wo viele Timmeler als Kolonisten sich eine Existenz schufen. Die Verwalterin des fürstlichen Vorwerkes in Timmel Tatje Egberts, mußte sich damals verpflichten, eine Brücke zu bauen, die bis heute ihren Nahmen trägt.

Der Gedenkstein erinnert daran, daß es in dieser friedlichen Landschaft am 14. April 1811 zu einem Feuergefecht zwischen französischen Truppen und ostfriesischen Seeleuten kam. Einem französischen Kommando wurde auf seinem Weg nach den Fehnen hier in den Meeden von Fehntjer Schiffern der Weg verlegt. Es mußte sich, nachdem die Fehntjer mit ihm scharfe Schüsse gewechselt hatten, unverrichteter Sache wieder nach Aurich zurückziehen.

Wie war es dazu gekommen? Nachdem der französische Kaiser Napoleon fast ganz Europa erobert hatte, versuchte er auch noch die Seemacht England in die Knie zu zwingen. Dazu benötigte er erfahrene Seeleute. Das damals von Frankreich annektierte Ostfriesland sollte 300 Mann stellen, die aus einer Gesamtzahl von etwa 2600 Seeleuten ausgelost werden sollten. Bei diesen Auslosungen war es schon in Leer und Detern zu Unruhen gekommen, weil es noch nie eine Wehrpflicht für Ostfriesen gegeben hatte. Bei der Auslosung im Auricher Schloß verursachten die Schiffer des Kantons Timmel einen Tumult, in dessen Verlauf der französische Präfekt mit einem Knüppel zwei Schläge erhielt und schließlich durch den Schloßgraben flüchtete.

Um die Seeleute des Kantons Timmel zur Raison zu bringen, wurde am 14. April ein militärisches Kommando nach en Fehnen in Marsch gesetzt. Die Fehntjer legten keinen Wert darauf, im Kampf mit der weit überlegenen englischen Flotte ihr Leben für die Eroberungspläne des französischen Kaisers aufs Spiel zu setzen. Sie hatten sich notdürftig bewaffnet und den Franzosen in den sumpfigen, von breiten Wasserläufen durchzogenen Meeden den Weg verlegt. So kam es zur Schießerei an der Tatjebrücke, mit dem Ergebnis, daß sich die französische Einheit wegen ihrer Schwäche über Timmel nach Aurich zurückziehen mußte.

Der Triumph der Fehntjer dauerte nicht lange. Wenige Tage später besetzten 600 Mann französische Infanterie Timmel und die umliegenden Fehne, um die Rädelsführer des Aufstandes gefangenzunehmen. Die Mehrzahl von ihnen konnten sie verhaften, andere waren geflohen, zum Teil bis zur damals britischen Insel Helgoland. Den Verhafteten wurde der Prozeß gemacht. Zwei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und auf dem Kirchdorfer Feld bei Aurich erschossen.

Zur Erinnerung an diese dramatischen Ereignisse wurde 1991 an der Tatjebrücke ein Gedenkstein mit folgender Inschrift enthüllt.

Nüms een sien Sklaav!
Noit!
Schippers Upstand tegen
Napoleon
Timmel, de 14.
April 1811

Als Partnern und Freunden
wird’s uns gelingen.
Frieden zu bringen:
niemals als Feinden.
14.11.91

Auf dem Rücken der Pferde

Mit Fug und Recht könnte Timmel ein Reiterdorf genannt werden, wenn es nicht auch noch den Wassersport, das Angeln und den Fußball gäbe. Aus bäuerlicher Wurzel entstand der Fahr- und Reitverein 1948, als die größte Not der Nachkriegszeit abklang. Am Wochenende sattelten die jungen Bauern ihre Arbeitspferde und richteten das erste Fahr- und Reitturnier in Timmel aus.

Noch immer lockt alljährlich im August das "Reiterfest" in Timmel 2000 bis 3000 Zuschauer an. Den sportlichen Rahmen bieten Dressuren, Fahrprüfungen und Springwettbewerbe. Das Showprogramm am Sonntagnachmittag bietet Nummern wie den Römerwagen, Vierspänner, Ungarische Post, kleine Voltigeure und die Rennen der Trabfahrer.

Die Reithalle liegt in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes und des Bootshafens. Der Feriengast kann dort für sein Pferd eine Box mieten und Halle und Reitplatz benutzen. Der Anfänger kann an einem Reitkurs teilnehmen und mit der Prüfung für das kleine Hufeisen abschließen. Wer ein Vereinspferd mietet, kann in Begleitung eines Reitlehrer Ausritte machen und auf ausgewiesenen Reitwegen besonders auf den Sandwegen in Timmlerfeld bis Westgroßefehn oder Stiekelkamp ausreiten.

Timmel, ein Bauerndorf

Stattliche ostfriesische Gulfhäuser prägen noch das Ortsbild. Manche Landwirte sind auch in die Gemarkung ausgesiedelt. Durch die Flurbereinigung wurden auch die Voraussetzungen für en Fremdenverkehr geschaffen, indem Flächen für Freizeitanlagen und Wanderwege freigestellt wurden. Etwa 20 Betriebe bewirtschaften gegenwärtig die 1189 ha große Timmeler Gemarkung.

Um Christi Geburt begann man mit dem Anbau von Gerste. Um 900 bürgerte sich der Roggen ein. Im Mittelalter bauten die Timmeler Roggen, Hafer, Gerste, Zwergweizen, Lein, Pferdebohnen und Futterwicken an.

Bis in die 70er Jahre unseres Jahrhunderts waren für Timmel Mischbetriebe prägend. Die Milcherzeugung stand im Vordergrund. Die Meeden dienten der Beweidung und Heugewinnung. Höhepunkt für den Landwirt war im Frühjahr das Kalben der Kühe. Neben der Viehaltung wurde Ackerbau zur Eigenversorgung betrieben: Hafer, Roggen, etwas Gerste, Feldbohnen, Runkelrüben, Blaukohl und Steckrüben wurden verfüttert, Kartoffeln wurden auch verkauft.

Noch heute ist die Milcherzeugung Haupteinnahmequelle der Timmeler Bauern; durch die Milchquoten wird die Milchmenge allerdings reglementiert. Neben der Eigenversorgung der Milchkühe spielt der Zukauf von Milchkraftfutter eine große Rolle.

Der Ackerbau beschränkt sich fast ausschließlich auf den Anbau von Mais. ER dienst zur Silobereitung und spielt zur Energieversorgung für Milchkühe und bei der Bullenmast eine große Rolle.

Manche Betriebe haben sich auf die Eigenvermarktung verlegt; sie verkaufen Fleisch und Wurst direkt vom Erzeuger. Den Ruf Timmels als Ferienort nutzend, führen sie mit den örtlichen Vereinen Scheunenfeste durch und vermieten Ferienwohnungen an Urlauber.

Die Seefahrtschule in Timmel

Das markanteste Gebäude Timmels ist ohne Zweifel die ehemalige Seefahrtschule. Deshalb wird sie nachts angestrahlt. Vor 150 Jahren wollte man wegen der zunehmenden Schiffshavarien nur noch ausgebildeten und geprüften Steuerleuten die Führung eines Schiffes anvertrauen.

Auf Drängen der Fehne mit ihrer seemännischen Bevölkerung wurde im zentral gelegenen Timmel 1846 in angemieteten Räumen der Lehrbetrieb eröffnet. Der erste Lehrgang wurde von 23 Schülern besucht. Das jetzige Gebäude wurde 1852 errichtet und erhielt 1876 durch Erweiterung und Aufstockung sein heutiges Aussehen. Obwohl die Seefahrtschule Timmel keine Vollanstalt blieb, nahm die Schülerzahl auf 200 zu und übertraf alle Seefahrtschulen in der Provinz Hannover. 1919 wurde sie geschlossen. Man kann diese Jahrzehnte, in der die Seefahrtschüler z. T. bei Timmeler Familien wohnten und verkehrten, auch allerhand Schabernack anstellten, als die große Zeit Timmels bezeichnen. Bekanntester Schüler war Felix Graf Luckner, der sich 1903, wie er in seinem Buch "Seeteufel" schreibt, längere Zeit in Timmel aufhielt.

1985 wurde das Gebäude restauriert. Im Erdgeschoß dient es als Haus des Gastes und birgt seemännische Erinnerungsstücke. Man kann dort einkehren. Hier trifft sich auch der Chor der Königlichen Navigationsschule und übt Shanties ein.

Quelle: www.fehntouristik-eiland.de